Warum verwende ich die klassische Rechtschreibung?


Wir schreiben für die, die lesen! Der Leser interessiert sich primär für den Inhalt, nicht für die Aussprache oder die aktuellen orthographischen Moden! Rechtschreibung hat etwas mit Schrift zu tun, und Schriftsprache ist etwas anderes als gesprochene Sprache. Schrift soll Gedanken ''für die Ewigkeit'' festhalten, zumindest aber für eine längere Zeit. Rechtschreibung macht deshalb erst dann wirklich Sinn, wenn sie möglichst keinen Veränderungen unterliegt.

 

Daher ist es eine geniale Idee, durch die Rechtschreibung Lesehilfen zu geben, z. B. durch eine sinnvolle Zeichensetzung, durch Buchstaben wie das ß oder das h, die mit ihrer Oberlänge Wörter optisch strukturieren, durch Regeln, die mehr als zwei gleiche Zeichen vermeiden, oder durch prägnante Buchstabenkombinationen, wie z. B. im Wort Rhythmus.

 

Die Rechtschreibreform paßt die Schreibung nicht einer sich frei entwickelnden Sprache an, sondern versucht, über eine Änderung der Rechtschreibung Veränderungen in der Sprache zu provozieren, ist also präskriptiv. Sie verbietet oder mißachtet naheliegende Ausdrucksmöglichkeiten, z. B. Zusammenschreibung, sinnvolle Verwendung von Bindestrichen -- die reformierte Schreibnorm ist also degeneriert.

 

Die reformierte Schreibung des s-Lautes sowie die Groß- und Kleinschreibung hat mit der Aussprache nichts zu tun, führt aber längst überwunden geglaubte Schreibweisen wieder ein. An der sogenannten ''neuen'' Rechtschreibung ist daher kaum etwas neu.

 

Die Heyse-Schreibung wurde vor über hundert Jahren eine Zeitlang praktiziert und mit der Vereinheitlichung der Rechtschreibung im Jahre 1901 als untauglich aufgegeben.

 

Die veränderte s-Schreibung führt in die Logikfalle: Die entsprechende Regel ist eine Umlernregel, sie impliziert die Kenntnis der klassischen Rechtschreibung. Deshalb machen Kinder, die nur die reformierte Regel gelehrt bekommen, so viele Fehler bei der neuen s-Schreibung, im Widerspruch dazu, daß die Reform zu weniger Fehlern führen sollte.

 

Das Skandalöse an dieser Reform ist aber, daß sie gegen den Willen der Mehrheit der Bevölkerung per Verordnung durchgesetzt worden ist. Die Schüler wurden dafür praktisch in eine Art ''Geiselhaft'' genommen, um die ideologischen Ziele der Reformer zu erreichen, insbesondere, um die Verantwortung für die Rechtschreibung von einem privaten Verlag (Duden) wieder unter staatliche Kontrolle zu bringen.

 

Siehe http://www.schriftdeutsch.de/orthogra.htm, Reformziele: verkannt und vielfach verfehlt, 4. Staatliche "Kompetenz". Als ob wir nicht schon zuviel Staat hätten!

 

Über die Details der sprachlichen und fachlichen Defizite der Rechtschreibreform ist an anderer Stelle schon genügend geschrieben worden, z. B. auf www.sprachforschung.org  oder www.vrs-ev.de

 

Weitere Links:

 

http://www.janhenrikholst.de/indey31.htm

http://www.schriftdeutsch.de/
http://www.gutes-deutsch.de/

 

http://www.rechtschreibreform-neindanke.de/


W. Fischer